Zwei Mercedes, ein Parkplatz, gut 35 Jahre Abstand. Und die Frage, was Fahrfreude heute eigentlich bedeutet.
Hochsommer. Der Asphalt flimmert, irgendwo läuft ein Radio, und auf dem Parkplatz stehen zwei Autos, die sich eigentlich nichts zu sagen haben dürften. Links ein schwarzer 190 E 2.5-16 Evolution II, kantig, breit, mit diesem Heckflügel, bei dem man bis heute nicht weiß, ob man lachen oder niederknien soll. Rechts die neue C-Klasse, elektrisch, glatt, fast schon zurückhaltend. Und trotzdem: Die beiden verstehen sich. Man muss nur ein bisschen hinschauen.

Als der Baby-Benz erwachsen wurde
Spulen wir kurz zurück. Ende 1982 stellt Mercedes den 190 vor. Für einen Mercedes damals ziemlich kompakt, und schnell hatte er seinen Spitznamen weg: Baby-Benz. Solide, vernünftig, ein Auto für Leute, die einen Stern wollten, aber keinen Dampfer.
Dann passiert etwas, womit niemand so richtig gerechnet hat. Mercedes geht in die DTM. Und weil das Reglement verlangt, dass die Rennautos auf echten Straßenautos basieren, baut Stuttgart Evolutionsstufen. Die letzte davon kommt 1990: der Evo II. 235 PS aus vier Zylindern, Spoiler und Flügel, die aussehen, als hätte ein Windkanal Fieber gehabt, und gerade einmal 502 Exemplare. Ein Rennwagen mit Nummernschild. Danach war Schluss. Mehr Evolution ging nicht.
Leise ist das neue Laut
Und heute? Heute steht da die C-Klasse, und sie fährt mit Strom. Im C 400 4MATIC kommt sie laut WLTP auf bis zu 762 Kilometer Reichweite. An der Schnellladesäule ziehen zehn Minuten Strom für rund 300 Kilometer nach. Drinnen: große Bildschirme, Assistenten, die mitdenken, bevor man selbst überhaupt nachgedacht hat. Man steigt ein, und das Land gleitet einfach so vorbei. Kein Brüllen, kein Schalten, nur Ruhe.
Das klingt erst mal wie das genaue Gegenteil vom Evo. Ist es aber gar nicht. Denn beide Autos sind das Beste, was Mercedes in ihrer jeweiligen Zeit aus der kleinen Limousine herausgeholt hat. Der Evo war damals die Antwort auf die Frage: Wie schnell geht das? Die C-Klasse ist die Antwort auf die Frage: Wie entspannt kann das sein? Beides ist Fortschritt. Nur eben in eine andere Richtung.
Kein Entweder-oder
In Autogesprächen gibt es gern zwei Lager. Die einen sagen, früher war alles besser, mit Benzingeruch und Handarbeit. Die anderen sagen, Zukunft ist Zukunft, und wer noch Kupplung tritt, hat den Anschluss verpasst. Ehrlich gesagt: Beide haben ein bisschen recht. Und beide verpassen das Schönste.
Die Idealvorstellung sieht nämlich so aus: Beide stehen in der Garage. Montag bis Freitag fährt die C-Klasse. Stressfrei ins Büro, entspannt zu den Eltern, im Urlaub einmal quer durch, ohne dass einem abends der Rücken wehtut. Und dann kommt der Freitagabend, die Sonne steht tief, und man nimmt den anderen Schlüssel vom Brett. Fenster runter, Landstraße, Drehzahl. Nicht, weil man irgendwo hinmuss. Sondern weil man darf.
Und jetzt du
Klar, nicht jeder hat einen Evo II in der Garage. Die meisten von uns eher nicht. Aber darum geht es auch gar nicht. Es geht um die Haltung dahinter: dem Alltag das Bequeme gönnen und sich selbst das Besondere.
Vielleicht ist das bei dir der alte Roadster vom Onkel. Vielleicht eine Probefahrt in einem E-Auto, weil du schon lange wissen wolltest, wie sich das anfühlt. Vielleicht einfach eine Runde am Abend, ohne Navi, ohne Ziel. Hauptsache, du machst es. Diesen Sommer, oder spätestens beim nächsten.
Und jetzt wollen wir es wissen: Welches Auto würde in deiner Traumgarage neben dem Alltagswagen stehen?
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